Dixieland-
Jazz

  Louis Armstrong

Ursprung des Namens DIXIELAND:
  
Die Jazzvariante Dixieland entstand um 1910 in New Orleans. Das Wort Dixieland ist ein gebräuchliches Synonym für die Südstaaten. Da in Louisiana auch französisch gesprochen wurde, gab die Bank of Louisiana einst 10 Dollar-Noten heraus, auf deren Rückseite das französische Zahlwort Dix (zehn) gedruckt war, so entstand das Wort Dixieland.

Definition Jazz:

Musik, die um 1900 von den Nachkommen der Sklaven in den Südstaaten der USA entwickelt wurde. Er entstand aus der Berührung zweier unterschiedlicher Kulturen: der europäisch-amerikanischen einerseits und der afrikanischen anderseits. Seine Elemente stammen sowohl aus der schwarzen als auch aus der weißen europäischen Musik.

Stilmerkmale

Seit den Anfängen des Jazz hat diese Musik so viele unterschiedliche Stile entwickelt und sich so stark verändert, daß keine allgemeine Beschreibung allen Stilen gerecht wird. Dennoch gibt es einige Charakteristika, die für alle Ausprägungen des Jazz gelten, wobei es auch hier wiederum Ausnahmen gibt. In der Regel improvisiert der Jazzmusiker innerhalb der Konventionen, die durch die ausgeübte Stilrichtung vorgegeben sind. Die Improvisation wird normalerweise durch ein sich wiederholendes Akkordschema begleitet. Der Instrumentalist ahmt den Gesangsstil der schwarzen Musik nach, z. B. durch Glissandi und absichtlich unsauber intonierte Töne, Tonhöhenveränderungen wie den Blue notes (Töne auf der erniedrigten 7. und 3. Stufe der Durtonleiter und - seltener - auf der 5. Stufe der Molltonleiter, die für die gesamte Jazzmelodik und -harmonik charakteristisch sind) und Toneffekte wie Growls (instrumentale Nachahmungen der sogenannten Dirty Tones, der „schmutzigen Töne") und Wails. Um ein individuelles Klanggewebe zu erzielen (ein eigenständiges Verständnis von Rhythmus und Form und einen individuellen Aufführungsstil), spielt der Musiker einen Rhythmus, der durch das typische geringfügige Vor- und Nachverlagern der Töne, den Off Beat, gekennzeichnet ist. Er verleiht der Musik durch den typischen „Swing" eine federnde und entspannte Qualität. Partituren dienen nur als Richtlinien, die ein gewisses Grundgerüst für die Improvisation durch die Soloinstrumente vorgeben.

Allgemeines:

Die Standardbesetzung einer Jazz-Combo war in den Anfängen dieser Musik, dem New-Orleans-Stil (um 1900 bis etwa 1930), folgende: Klavier, Baß, Schlagzeug und eventuell Gitarre oder Banjo als Rhythmusgruppe, Kornett oder Trompete, Klarinette und Posaune als Melodiegruppe. In den Big Bands des Swing der dreißiger Jahre waren die Bläser in folgende Gruppen unterteilt: Saxophone, Posaunen und Trompeten. Die Jazzimprovisation bedient sich zahlreicher Stücke mit höchst unterschiedlichem formalen Aufbau. Zwei formale Muster erscheinen besonders häufig: Das erste ist die allgemeine Liedform AABA, die in der Regel aus 32 Takten (im o-Takt) besteht, die in vier 8taktige Abschnitte unterteilt sind. Die zweite vorherrschende Form, die tief in der afrikanischen Volksmusik verwurzelt ist, ist die 12taktige Bluesform. Im Gegensatz zur 32taktigen AABA-Form haben Bluessongs ein relativ feststehendes Akkordschema. Ursprünge Der Jazz hat seine Ursprünge in der Mischung aus unterschiedlichen Musiktraditionen der als Sklaven nach Amerika deportieren Schwarzen. Wesentliche Elemente stammen aus der westafrikanischen Volksmusik, den Volksmusikformen der Schwarzen, die sich in den europäischen Kolonien auf amerikanischem Boden entwickelten, sowie der europäischen Volksmusik und Kunstmusik des 18. und 19. Jahrhunderts. Aus der afrikanischen Musiktradition flossen Gesangsstile ein, die dem Sänger einen großen Freiraum für stimmlichen Ausdruck ließen, sowie die Tradition der Improvisation, das Frage-und-Antwort-Schema (Call-and-Response) sowie die rhythmische Komplexität (Synkopierung der einzelnen Melodielinien und gegensätzliche Rhythmen, die von unterschiedlichen Instrumentalisten des Ensembles gespielt wurden). Andere prägende Formen aus der afroamerikanischen Musik waren Worksongs und andere rhythmische Arbeitslieder der Sklaven sowie Wiegenlieder und später die Spirituals (religiöse Gesänge) und der Blues (weltliche Tradition). Aus der europäischen Musik gelangten nicht nur bestimmte Stile und Formen in die Urformen des Jazz (Hymnen, Märsche, Tanz- und Volksmusik), sondern auch theoretische Elemente, besonders die Harmonie, sowohl als Reservoir an Akkorden als auch als Ordnungsprinzip, das bestimmte musikalische Formen bedingt. In der Anfangszeit des Jazz spielten die Musiker ausschließlich ohne Noten. Um 1910 brach der Orchesterleiter W. C. Handy mit der bis dahin rein mündlichen Tradition des Blues und veröffentlichte seine ersten Bluessongs (Seine Stücke waren bei Jazzmusikern besonders beliebt, und ihre vielleicht beste Interpretin fanden sie später in der Bluessängerin Bessie Smith, die in den zwanziger Jahren zahlreiche seiner Songs aufnahm).

Geschichte:

In seinen Anfängen wurde der Jazz von kleinen Blaskapellen oder Solopianisten gespielt. Zum Repertoire gehörten neben Ragtime und Märschen Hymnen, Spirituals und Blues, die als Unterhaltungsmusik für Picknicks, Hochzeiten, Paraden, Beerdigungen und sonstige Veranstaltungen dienten. Normalerweise wurden bei Beerdigungen auf dem Weg zum Friedhof Trauerlieder gespielt, auf dem Rückweg fröhliche Märsche. Blues und Ragtime waren unabhängig vom Jazz entstanden und existierten neben dieser Gattung. Sie beeinflußten jedoch Stil und Formen des Jazz und lieferten ihm die Stilmittel für die Improvisation.

New-Orleans-Jazz:

Ende des 19. Jahrhunderts verschmolzen die verschiedenartigen Einflüsse zum ersten vollausgebildeten Stil des Jazz, nach dem Ort seiner Entstehung New-Orleans-Jazz genannt. Hier wurde die Melodie vom Kornett oder von der Trompete getragen, während die Klarinette reich verzierte Gegenmelodien und die Posaune rhythmische Slides spielte und die Grundtöne der Akkorde und Harmonien vorgab. Tuba oder Kontrabaß legten unter diese Standard-Dreiergruppe eine Baßlinie, das Schlagzeug lieferte den Rhythmus. Vitalität und Lautstärke waren wichtiger als musikalische Feinheiten, und die Improvisation wurde von mehreren Stimmen des Ensembles durchgeführt (Gruppenimprovisation). Der legendäre Kornettist Buddy Bolden leitete einige der ersten Jazzbands, von denen jedoch nur noch wenige Beispiele überliefert sind. Frühe Musikaufzeichnungen zeigen zwar den Einfluß des Jazz auf die damalige Musik, doch machte erst im Jahr 1917 die erste wirkliche Jazzband eine Musikaufnahme. Diese Jazzgruppe, die „Original Dixieland Jazz Band", eine Gruppe aus weißen Musikern aus New Orleans, erregte in den USA und der ganzen Welt mit ihrer Musik Aufsehen. Ein neuer Stil war geboren: der Dixieland-Jazz der Weißen aus dem Süden der USA. Damit zeigte sich jedoch auch zum ersten Mal ein Prozeß, der später für die Geschichte des Jazz typisch werden sollte: Nachdem schwarze Musiker neue Stile entwickelt hatten, wurden sie von Weißen dem Geschmack eines breiteren Publikums angepaßt und anschließend kommerziell verwertet. Nach dieser Gruppe wurden zwei weitere Bands berühmt: die „New Orleans Rhythm Kings" (1922) und die „Creole Jazz Band" (1923, unter der Leitung des stilbestimmenden Kornettisten Oliver King). Die Aufnahmen von ihm und seiner Band sind die bedeutendsten Beispiele im New-Orleans-Stil. Andere führende Musiker aus New Orleans waren die Trompeter Bunk Johnson und Freddie Keppard, der Sopransaxophonist Sidney Bechet, der Schlagzeuger Warren „Baby" Dodds und der Pianist und Komponist Jelly Roll Morton. Zu einer der einflußreichsten Persönlichkeiten des Jazz sollte später jedoch King Olivers zweiter Trompeter Louis Armstrong werden. Louis Armstrong und sein Einfluß Der erste echte virtuose Solist des Jazz, Louis Armstrong, war ein atemberaubender Improvisator, sowohl in technischer als auch in emotionaler und intellektueller Hinsicht. Er veränderte das Bild des Jazz entscheidend, indem er den Solisten in den Mittelpunkt rückte. Seine Bands, die „Hot Five" und die „Hot Seven", demonstrierten, daß Jazzimprovisation weit über die einfache Ausschmückung der Melodie hinausgehen konnte (Armstrong schuf auf Basis der Akkorde der ursprünglichen Melodie neue Melodien). Er setzte den Maßstab für alle späteren Jazzsänger, nicht nur durch die Art, in der er Wörter und Melodien abwandelte, sondern auch durch den sogenannten Scat-Gesang (das Singen von improvisierten Silben und Lauten, oft als rhythmische und ausdrucksmäßige Nachahmung eines Instruments).

Das Jazzmusizieren in New Orleans war nicht ein ausschließliches Privileg der Schwarzen. Von Anfang an hat es auch weiße Bands gegeben, deren Spielart allerdings angefangen hatte, sich durch "sauberer" und glatter Harmonien und Melodien von der typischen expressiven Tonbildung der Schwarzen zu unterscheiden.

Im Jahre 1917 spielte die "Original Dixieland Jazz Band" mit riesen Erfolg beim New Yorks Columbus Circle. Dadurch wurde das Wort "Jazz" – am Anfang meist "jass" und noch früher "jasm" geschrieben: slangartiger Ausdruck für Energie und Geschwindigkeit im Sport und Spiel – einer größeren Öffentlichkeit bekannt.

Über die Entstehung des Wortes Dixieland gibt es Spekulationen und Legenden. So soll es sich von den Zehn-Dollar-Noten Louisianas herleiten, auf denen neben dem englischen "ten" das französische "dix" stand. Und dadurch wurde einfach das Land nach dem Geld Dixieland genannt, und die Musik nach dem Land "Dixieland Jazz".

Chicago (seit 1920) und New York City:

Mit dem Eintritt der Vereinigten Staaten in den Ersten Weltkrieg wurde der Vergnügungsbezirk Storyville – im damaligen Kriegshafen New Orleans – geschlossen. Und dadurch nicht nur die Damen von Storyville, sondern auch Hunderte von Musiker brotlos gemacht. Viele verließen die Stadt und zogen in Richtung Norden nach Chicago, die "Windy City" die schon vorher zahlreiche New Orleans - Musiker fasziniert hatte.

King Oliver leitete die wichtigste New Orleans - Band in Chicago, Louis Armstrong bildete dort seine "Hot Five" und "Hot Seven", Jelly Roll Morton seine "Red Hot Peppers" und Johnny Dodds seine "New Orleans Wanderers". Auch der Blues hatte im Chicago der zwanziger Jahre seine große Zeit. Bessie Smith war die größte Sängerin dieses bestimmten Jazzstil, der alle Jazzformen geprägt hat, und die ganze Jazzgeschichte durchzieht.

Viele Musiker in Chicago versuchten den New Orleans - Stil zu "imitieren". Das Nachahmen glückte ihnen nicht, aber dadurch entstand etwas Neues: der Chicago - Stil. Der überragende Vertreter dieses Stil ist Bix Beiderbecke. Von diesem Zeitpunkt an gewinnt das Instrument einige Bedeutung, mit dem nach Ansicht vieler Laien die Jazzmusik steht und fällt: das Saxophon. Und mit dem Saxophon die Kunst des Solos und der Improvisation.

Die zwanziger Jahre bedeuteten für den Jazz eine Zeit der Experimente und Entdeckungen. In dieser Periode der wachsenden Industrialisierung wanderten mit den Schwarzen aus den ländlichen Bezirken des Südens zahlreiche New-Orleans-Musiker nach Chicago, wo sie die dortige Musik prägten und zur Entwicklung des (ebenfalls weißen) Chicago-Stiles beitrugen. Bei diesem Stil, der seine Wurzeln im New-Orleans-Jazz hat, stand der Solomusiker im Vordergrund; die Besetzung wurde meist durch ein Saxophon ergänzt, und man spielte in der Regel spannungsreichere Rhythmen und kompliziertere Klangstrukturen. Zu den wichtigsten Musikern in Chicago gehörten der Posaunist Jack Teagarden, der Banjospieler Eddie Condon, der Schlagzeuger Gene Krupa und der Klarinettist Benny Goodman. Ebenfalls in Chicago wirkte der deutschstämmige Trompeter Bix Beiderbecke, dessen lyrische Ader beim Spielen des Kornetts Armstrongs Trompetenstil konstrastierte. Viele Chicagoer Musiker zog es schließlich nach New York City, das in den zwanziger Jahren ein weiteres bedeutendes Zentrum des Jazz war.